L´Aureissima – Venedig die Goldenste

Eingang Arsenale

Eingang Arsenale

Kann man noch über Venedig schreiben? Ist nicht schon jeder Winkel seit Goethe ausgeleuchtet? Gibt es Venedig überhaupt? Oder ist dieses zerbrechliche Gebilde nur eine Fata Morgana, wie ein Echo ferner Galaxien der Phantasie? Was zieht Millionen von Tagestouristen, aber auch Reiseprofis, regelmäßig in die langsam versinkende Stadt an der Lagune?

Zunächst ist es die Pracht einer echten Kapitale, der man sich, selbst 216 Jahre nach dem Untergang der Republik Venedig, nicht entziehen kann. Das könnte man auch von Lissabon sagen, wo prächtige Fassaden Zeugen einer großen Vergangenheit sind. Dort aber klingt dieser Widerhall dumpf und leer. Venedig aber singt (und sinkt!) noch immer das Lied der merkantilen Republik, in der der letzte der 120 Dogen sein Amt mit der Bemerkung niederlegte, seine Diener sollten seine Dogenmütze nehmen, er würde sie nicht mehr brauchen.

Das zweite große Faszinosum liegt im Fehlen jeglichen Autoverkehrs bzw. der totalen Entflechtung der Verkehrsströme: Transport am Wasser, der Rest geht, besser flaniert. In einem heiteren Rhythmus, den die Stadt seit mehr als tausend Jahren vorgibt und der wie ein Magnet zum Mittanzen einlädt.

La Serenissima, die Heiterste, die Allerdurchlauchteste, wurde Venedig über Jahrhunderte genannt. Richtiger wäre gewesen „La Aureissima“ – die Goldenste.

Die Dogenrepublik mit ihrem bemerkenswerten System von „Checks & Balances“ war zur Zeit der Renaissance Mittelpunkt der Weltwirtschaft – und damit dem Gold mehr als zugetan. So war etwa die Fassade des berühmtesten Wohnhauses „Ca d´Oro“ mit 22.075 Stück Blattgold fast vollständig überzogen. Oder der Markusdom: goldene Pracht innen und außen, die heute noch den damaligen Reichtum spüren lässt.

Einige Vaporetto-Stationen weiter (um „goldige“ 7€), öffnet heuer wieder die Kunstausstellung Biennale ihre Pforten (bis 24.11.). Damit lockt die südlichen Spitze Venedigs Besucher wieder in den sonst ruhigen oder versperrten Teil der Stadt. Die Länderpavillons verteilen sich locker in der Gartenanlage „Giardini“ und die große Werkschau findet daneben in der alten Schiffswerft „Arsenale“ statt – und da der Platz knapp wird, kommen immer mehr Ausstellungsorte verteilt über die ganze Stadt hinzu.

Den stärksten Eindruck liefert dabei der russische Beitrag mit einer Goldmünzen-Dusche, die nur Frauen betreten dürfen. Einen Stock höher knien (anbetend?) die zusehenden Männer: Anschließende heftige Diskussionen garantiert.

Oder eine Arbeit vom „MAD-Zeichner Robert Crumb, der in 50 Kapiteln die Genesis als Comic-Buch verarbeitete (Arsenal).

Oder der omnipräsente Wei-Wei mit seiner Installation im deutschen Pavillon oder der spanische Beitrag mit einer Dekonstruktion des Gebäudes in seine Bestandteile Ziegel, Holz, Glas, Metall etc.

Und innen und außen ergeben einen lebendigen architektonischen Dialog: da die historisierenden Bauten wie für Russland oder Ungarn; dort die neueren Linien des Finnischen Pavillons (Alvar Aalto) oder der nüchterne Zweckbau von Josef Hoffmann für Österreich.

Vom vielen Schauen ermattet, retten wir uns nahe der Rialto Brücke zum Campo Bella Vienna. Dort in den zahlreichen Stehbars lässt sich in der „goldenen Stunde“ bei Prosecco & Co vortrefflich über Glanz und Gloria sinnieren. Wir werden wieder kommen.

Rokitansky im Detail

55. Biennale Venedig

Bis 24.11.

Tickets: ein Tag € 25.-, zwei Tage € 30.-

http://www.labiennale.org/en/art/index.html

Wohnen

Wer länger bleibt, Apartment mieten!

Sonst:

Al Canal Regio 

Kleines feines Hotel nahe Ca d´Oro

http://www.alcanalregio.com/de/

Aktuell, Am Wasser, Schritt für Schritt , ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *