Reich in Hvar

Langsam schiebt sich die 90 Meter lange Motoryacht in den Hafen von Hvar. Provokanterweise thront auf dem Bug der „Phoenix2″noch ein Helikopter. Und plötzlich wirken alle anderen Super-Yachten daneben armselig. Und der Begriff „Reichtum“ wieder verdammt relativ.

Ist es erstrebenswerter Luxus mit diesem schwimmenden Club-Hotel an der Mole zu protzen? Um kolportierte 800.000.- pro Woche (!) rd. 10 Gäste zu verwöhnen?

Auf Reisen geht es auch um die Produktion von Erinnerungen. Vermutlich fallen die damit doch relativ schal aus: 24 Stunden Jet-Ski fahren?

Aber Hvar hat wesentlich mehr zu bieten: Reichtümer, die von den „Onassis-auf-Zeit“ Leuten wahrscheinlich gar nicht erkannt werden.

1. Das Glück der Piazza

Die Piazza/Pijaca ist eigentlich unmodern: keine Behübschung durch Bäume/Palmen etc und kein Autoverkehr. Genau das macht ihren Reiz aus: Ein Platz, der sich selbst als öffentliches Wohnzimmer versteht. Vollständig, in sich geerdet. Am Vormittag eilen die, die etwas zu erledigen haben, hin und her, unterbrechen nur kurz auf einen Cafe/Plausch in der Bar. Über die Mittagszeit liegt die bleierne Schwere der Hitze über den glatten, fast rutschigen, weissen Steinen. Eine in die Fassade des großen Arsenal-Gebäudes integrierte steinerne Bank ladet zur kurzen Rast im Schatten. Am Abend erwacht der Platz zur Bühne: Gasthäuser wetteifern um Kundschaft, Segler um das bessere „Latein“, Frauen um Aufmerksamkeit, Kinder um einen Ball.

Vorsicht: glatter Stein!

Von den Venezianern im 15. Jhdt angelegt, überdauerte das Ensemble die spätere Herrschaft von Österreichern, Ungarn, Franzosen, Italienern und des realen Sozialismus jugoslawischer Prägung. Spuren haben alle hinterlassen, aber das große Ganze blieb bestehen.

2. Die Freuden der abgelegenen Bucht

Um rd. 4 Euro geht es mit dem kleinen Tuk-tuk Fährboot hinüber zu den vorgelagerten Inseln, die mit glasklarem Wasser, wilden Rosmarinsträuchen und urigen Wirtshäusern (Konoba) locken. So etwa zur Marinkovac Insel, wo dann ein 10minütiger Fussweg zum Mlini Beach führt. Dort nach dem Schwimmen salzverkrustet in Nikos Konoba sitzen, frischen Fisch, Salate, Kalamari essen, den trockenen Hauswein trinken – und dann ja nicht das letzte Boot um 18 Uhr versäumen!

 

So gehts nach Mlini

3. Hinter dem Parkplatz wartet der Luxus

Mit dem Boot nach Milna. Knapp 100 Einwohner im Küstenort der als Antipode zur Hvar gelten mag. Erst 1960 besiedelt, viel grauer Beton-Barock. Ah, zwei Gasthäuser im kleinen Hafen. Nein, dorthin geht es nicht, sondern zu Fuss ins Landesinnere. Vorbei am Schrottplatz, vorbei am Parkplatz mit den Zastava-Leichen. Sind wir richtig?

 

Konoba Lambik

Ja, plötzlich der Eingang, mitten im Olivenbaumhain das Gasthaus „Lambik“. Grobe Holztische, authentisches Essen, lokaler Wein. Und plötzlich stehen 4 Männer vom Nachbartisch auf und beginnen zu singen. Keine Folkloreshow, sondern ein Geburtstagsgeschenk für den Wirten vom Chor in Hvar. Ob das auch auf der Phoenix2 zu hören war?

 

Rokitansky im Detail

Wohnen: Hotel Riva

Direkt am Hafen: http://www.suncanihvar.com/riva-hvar-yacht-harbour-hotel.html/

Direkttransfer nach Hvar von Split:

– Katamaran von Split Stadt

– Bootstaxi vom Flughafen-Port  +385 98 9595 094

 

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Kommentare

  1. Annemarie Vrecar

    Ein etwas dürftiger Reisebericht: Die vorgelagerten Inseln hätten sie benennen müssen „Teufelsinseln“ und ebenso eines der sehr gepflegten Gasthäuser in Milna – wenn schon – „Mali Onte“, wo man alles um den Fisch essen kann mit sehr persönlichem Service, was für dieses entzückende ruhige Fischerdorf spricht, das sich in den letzten 30 Jahren nicht viel verändert, ebenso die kleine Badebucht mit dem Gasthaus am Strand – alles steht noch so wie vor Jahren!
    Und in der Stadt Hvar auch den „Kapitano“ am Kai, ein Fischrestaurant – urig – das es nach zig Jahren noch immer gibt. Die Romantik ist durch die vielen Bars in den Seitengassen verloren gegangen.
    Trotzdem viel Spaß und Abenteuer auf den Reisen!

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