Bittersüss in Zagreb: Museum of Broken Relationships

Ausgezeichnet als "Innovativstes Museum 2011"

Von der Zagreber Unterstadt geht es zu Fuß steil bergauf in den oberen Teil der kroatischen Hauptstadt, Gornji Grad. Dort, wo alles fein restauriert ist und sich Rathaus und Regierungssitz in neuer Pracht zeigen. Oder man nimmt die kurze Standseilbahn, die – wie ein Schild im Inneren der Kabine zeigt – seinerzeit von der Korneuburger Schiffswerft gebaut wurde.

Oben angelangt sind es wenige Schritte im alten Stadtteil Gradec bis man vor dem kleinen Museum steht, das weltweit Furore macht: Das Museum of Broken Relationships wurde 2011 mit dem Preis für das innovativste Museum in Europa ausgezeichnet.

Das Künstlerpaar Dražen Grubišić und Olinka Vištica waren vier Jahre lang ein Paar. Als sie sich trennten, standen sie vor der Frage was tun mit den gemeinsamen Objekten der Zuneigung, der Erinnerung, den Liebesbeweisen? So entstand zunächst eine Wanderausstellung und später eben das Museum in Zagreb, das mittlerweile Objekte von Ex-Verliebten aus vielen Ländern zeigt. Rührend, komisch oder schockierend? Frisch Verliebte sehen in den zur Schau gestellten Gegenständen und ihren Erklärungen ein amüsantes Sammelsurium an Belegen für einen Zustand, der ihnen ganz ganz ferne scheint. Beziehungshaudegen empfinden ein gewisses „Memento Mori“ und jüngst Getrennte können ihrem frischen Schmerz nachhängen und Trost am Beispiel anderer finden: für jeden „Beziehungsstatus“ hat das Museum was zu bieten.

Vor Zorn durch die Scheibe ........

Ob es die Axt ist, mit der in Berlin Mobiliar zerschlagen wurde oder der G-String mit der bitteren Bemerkung „After four years, he turned out to be as cheap and shabby as his presents“ oder der komisch traurige Gartenzwerg mit zertrümmerter Nase: sie alle erzählen Geschichten von der Liebe, ihrem Wahnsinn und dem Zerbrechen.

Kein Wunder,  dass der meist verkaufte Artikel im Museumsshop ein Radiergummi mit der Aufschrift „Bad memories eraser“ ist. Ob den auch die Brautpaare mitbekommen, die hier am Weg zum Rathaus vorbei kommen?

Zu Fuß sind es nur ein paar Minuten (bergab!) zurück in die Unterstadt zum zentralen Punkt Zagrebs, dem Ban Jelacic Platz. Der Namensgeber, ein kaisertreuer Volksheld, war massgeblich an der Niederschlagung der 1848er Aufstände und des ungarischen Unabhängigkeitskrieges beteiligt. Daher drohte das martialische Reiterstandbild mit erhobenem Säbel nach Osten, nach Budapest. Im kommunistischen Jugoslawien als monarchistischer Loyalist verdammt, kam das Denkmal Jelacic´ ins Depot, um 1990 in der neuen Unabhängigkeit wieder an seinen Platz zurück zu kehren. Aber um 90 Grad verdreht: der Säbel droht nun nach Süden – bad memories erased?

Die Liebe und ihre Zerrbilder

Im Regierungsviertel rund um die Markuskirche

 

Ban Jelacic: gen Süden!

Rokitansky im Detail

 

Museum of Broken Relationships

Ćirilometodska 2,
10 000 Zagreb, Croatia

www.brokenships.com

 

 

 

Dolac Markt

Am lebhaften Markt wird gehandelt (Obst/Gemüse/Fisch/Käse), getratscht, in den Cafes die Zeit versessen – und eine neue Beziehung begonnen?

Gleich neben dem Ban Jelacic Platz

Der Bauch von Zagreb: Dolac Markt

 

Museum of Contemporary Art

Av. Dubrovnik 17 (in der Neustadt)

www.msu.hr/#/en/

Museum of Contemporary Art

 

Buchtipp:

Orhan Pamuk: „Das Museum der Unschuld“

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Kommentare

  1. unglaublich. mir scheint Roki ist eigentlich ueberall.

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