Schuhplattelnde Araber in Paris


Rokitansky besucht das teuerste Galopprennen Europas in Paris, wundert sich dabei über „schuhplattelnde“ Araber und bewundert das neue Leih-Rad-System „Velib“.

 

Der Scheich lässt tanzen

Paris Anfang Oktober hat zwei Highlights: die angesagte „Fashionweek“ und Europas höchstdotiertes Galopprennen, das traditionell am ersten Oktoberwochenende ausgetragen wird. „Fashion“ ist mehr ein Thema für die Rokitanskysche – was aber auffällt ist die Begeiserungsfähigkeit und Besucherdichte in diversen Modeshops oder Concept Stores. Bei „Colette“ signiert die frühere (!) Chefredakteurin der Vogue ihr neues Buch, das sie gemeinsam mit dem Szenefotografen Terry Richardson herausgibt: angestellt sind mindestens 100 Leute, die geduldig in der Hitze dieses seltsamen Spätsommers auf ein Autogramm warten.

Rokitansky deckt sich in der Musikabteilung mit einem Stapel neuer CDs ein und flüchtet.

Womit? Na, mit dem Fahrrad. Mit dem Bike in Paris eröffnet sich eine völlig neue Sichtweise auf die Stadt. Rasch gleitet das Velo von Bezirk zu Bezirk und wer echten Nervenkitzel braucht, soll einmal von der Rue Rivoli kommend am Place de la Concorde mit 6 Fahrspuren links abbiegen wollen!

„Velib“ heißt das neue Miet-Rad-System in Paris mit 20.000 Bikes in 1.800 Stationen, das durch seine Einfachheit besticht: Die hohe Dichte an Verleih-Stationen, einfaches Handling am Selbstbedienungsautomaten und ein sensationeller Preis: 1,70 Euro für 24 Stunden! Dachte Rokitansky, aber die Kreditkartenabrechnung warf dann doch eine andere Summe aus: 1,70 kostet das „Tagesabo“ – dazu kommt noch die „Benutzungsgebühr“ von 1.-/Stunde (erste 30 Min je Trip sind gratis).

Ich lieb Velib Räder

Daher mein Tipp: Ausleihen, radeln und am Ziel wieder am Automaten bis zum nächsten Trip abstellen !

Also flitzt man durch Paris – Rokitansky hat schon nach einer (!) Stunde überrissen, dass das Velo 3 Gänge hat (bis dahin ging es mit der Dritten etwas schwer von der Ampel weg ) – und entdeckt Gegenden, die man sonst nicht oder nicht so leicht sieht. Absolute Empfehlung!

Der Sonntag ist dem großen Rennen auf der Rennbahn in Longchamps gewidmet.

Immerhin ist der „Preis des Triumphbogens“ mit 4 Millionen Euro dotiert und damit das teuerste Rennen in ganz Europa. 50 000 Begeisterte scharen sich dicht gedrängt auf den Tribünen, davon mindestens 15 000 Engländer, gilt doch das Rennen als eine Art informelles Ländermatch zwischen England und Frankreich.

50.000 Aficionados

Alles was gut und teuer ist und in dem Jahr bereits tolle Erfolge landen konnte ist vertreten. Teilnehmende Pferde müssen bereits ein Jahr vorher angemeldet werden; wer später kommt zahlt mehr fürs Mitrennen.  Heuer hat sich aber jemand gefunden, der spät, aber doch – nämlich eine Woche vor dem Rennen – drauf gekommen ist, doch an dieser Art Europameisterschaft mitmachen zu wollen. „Danedream“, ein kleines Pferdefräulein aus Deutschland, das nach Erfolgen in der Pferdeprovinz die dünne Luft der Prominenz schnuppern wollte. Gerade 9.000 Euro war die klein gewachsene Stute den Besitzern beim Kauf wert, die aber heuer bereits in Deutschland und Italien im Rennen Furore machte. Ein Aufsehen, das einen japanischen Züchter auf die Idee brachte, rasch vor dem Rennen in Paris einen Hälfteanteil an „Danedream“ zu kaufen: ein Traum.

And the winner is

Sonntag, 2. Oktober 2011, 16 Uhr 15, ein heißer Oktobertag: Sechzehn Pferde drängen sich nervös am Start und beziehen ihre Startposition. Die Wetter schenken der kleinen Deutschen keine Beachtung. Sie gilt als einer der letzten Außenseiter und milde lächelt die Fachwelt über den olympischen Gedanken des Dabeisein-ist-alles. Dann geht es los, 50 000 Zuschauer stöhnen begeistert auf und die Pferde nehmen die klassische Distanz von 2.400 Metern auf. Kein prominenter Name fehlt: der Aga Khan als Besitzer, die angesagtesten Trainer und Jockeys. Und doch kommt es anders als die Insider glauben. Die kleine Deutsche zuckelt zuerst im Mittelfeld mit den anderen mit, aber in der Zielgerade wird es ernst. Jockey Starke muntert sein Fräulein auf und es fliegt und fliegt dem Feld davon und dem Ziel entgegen. Am Schluss wird der Zielrichter feststellen, „mit 5 Längen Vorsprung gewonnen“ und in neuer Rekordzeit! Die Stimmung auf den Tribünen friert merklich ein: Franzosen und Engländer wollen gegeneinander gewinnen oder verlieren. Aber plötzlich die provinziellen Deutschen? Zuerst Griechenland retten und dann das teuerste Rennen in Europa gewinnen: das ist zuviel!

Unbeeindruckt davon tanzen arabische „Schuhplattler“am Eingang  ihre Touristennummer.

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Das Scheichtum von Quatar ist Hauptsponsor der Veranstaltung und ergo fühlte man sich bemüßigt etwas Folklore unter die Rennplatzbesucher zu bringen. Also Zelt aufgebaut, Burnus übergestreift, Schwerter gezückt und los geht’s.

Rokitansky bleibt verwundert zurück: Eben noch hat Frankreich Libyen bombardiert und lässt seine Muskeln in Nordafrika spielen – und gleichzeitig ist ein arabisches Land Megasponsor bei einem Event in Paris und lässt dort seine „Schuhplattler“ folkloristische Schwerttänze aufführen. Wenn der Krieg nach Clausewitz „die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln“ ist, was ist dann der Schwerttanz in Paris – nach Disney?

 

Rokitansky im Detail

 

Radeln in Paris

Einfach, günstig: Velib´et toi!

http://en.velib.paris.fr/

 

Concept stores

Colette

http://www.colette.fr

 

Merci Merci

http://www.merci-merci.com/

 

Rennplatz Longchamps

Bilder vom Sieg des deutschen Fräuleinwunders

http://www.prixarcdetriomphe.com/indexUK.html

 

Schlafen

Bevorzugt in Saint Germain

La Villa

http://www.hotelvillasaintgermain.com/de/

 

Bellechase

http://www.lebellechasse.com/

 

 

De L´Abbaye

http://www.hotelabbayeparis.com/index.html

 

Essen

Meeresfrüchte

Garnier

http://www.groupe-menut.com/GarnierSaintLazare/index.php

 

Klassisches Bistro

Le Comptoir du Relais Saint-Germain

http://hungryforparis.squarespace.com/blog/2010/8/3/le-saotico-good-modern-french-cuisine-du-marche-b-le-comptoi.html

Ein Bistro wie es sein soll: Le Comptoir

 

Individuellster Restaurantführer

Alex Lobranos „Hungry for Paris“

http://alexanderlobrano.com/

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