Bayern, München und ein Märchenkönig

Der König, ein Märchen

Das Fotografieren wäre verboten, mahnt die strenge Aufseherin eindringlich.

Warum der Reisende dieser Aufforderung öfters begegnet, darüber kann Rokitansky nur Vermutungen anstellen. Der oft vorgebrachte „konservatorische Schutz“ kann es wohl nicht sein, wahrscheinlich ist es doch eine Art Gebietsschutz für den eigenen Souvenirshop mit seinen Ansichtskarten.

ER hätte sich Fotografieren sicher nicht verbeten, war er doch technischen Neuerungen gegenüber durchaus aufgeschlossen. Wie der „automatische Tisch“ im Prunk-Speisezimmer belegt, der einen Stock tiefer gekurbelt werden konnte um, simsalabim, gedeckt in das Speisezimmer des Königs hinaufzufahren, ohne das der scheue Monarch mit seinem Personal in Kontakt kam. Schade eigentlich, dass der Erbauer kaum dazu kam, sein neues Schloss-Spielzeug auszuprobieren, soll er doch höchstens zwei Wochen darin verbracht haben.

Ludwig II. ist eine jener historischen Figuren, die schon zu Lebzeiten zum Mythos wurden. Knapp 18jährig besteigt der großgewachsene attraktive Mann den Thron in München und scheitert mit seinen an Ludwig XIV. orientierten absolutistischen Vorstellungen am bereits selbstbewussten Verwaltungsapparat.

Alles Walzer?

Was bleibt, ist eine Flucht in die Innerlichkeit und in die Künste. Der „Kini“, wie die Bayern ihren König nennen, lässt Schloss um Schloss bauen, unabhängig davon, ob ausreichend Geld dafür vorhanden ist. Das sollte später zu seiner Entmündigung und Absetzung führen und zu einem Ende unter dubiosen Umständen in den Fluten des Starnberger Sees.

 

Bis das Geld versiegt

 

 

Bayern hat dieses Thema für seine heurige Landesausstellung aufgenommen, die in Schloss Herrenchiemsee gezeigt wird. „Herrenchiemsee“ ist wie „Frauenchiemsee“ eine Insel im oberbayrischen See, die ursprünglich nur ein Kloster beherbergte. Nicht zu Unrecht merkt jemand auf der Überfahrt mit dem altertümlichen Raddampfer an, dass es wieder typisch sei, dass die „Fraueninsel“ die kleinere ist. Sei´s drum, jedenfalls hat Ludwig Versailles im Kopf, als er die Planungen in Auftrag gibt. Und so ist es auch geworden. Zwar kleiner, weil nicht vollendet, aber ausgestattet mit einer verschwenderischen Pracht, die nur für sich steht. Denn benutzt wurde das prächtige Schloss kaum, da die Bauarbeiten nach 7 Jahren aus Geldmangel eingestellt werden mussten.

Die Ausstellung gibt einen guten, wenn auch knappen, Überblick über Ludwig und seine Zeit. Wie oft ist es spannend, historische Fakten gegen das „Wissen“ aus Antel- oder Visconti-Filmen gesetzt zu bekommen.

Die Verschränkungen mit Österreich sind vielfältig. Mehr als man gemeinhin annimmt oder gerne annehmen möchte. Geografische Karten zur Verbreitung der „bairischen Dialekte“ reichen bis ins Burgenland, nach Kärnten und Südtirol. Mal war man Gegner (mit Napoleon), manchmal Verbündeter (gegen Preußen), auf alle Fälle erzkatholisch (und antisemitisch) und einig in der Ablehnung der (protestantischen) „Saupreissen“. Die Schau in Herrenchiemsee bietet jedenfalls genügend Raum für Reflexionen zu dem was war (und möglicherweise Erklärungsansätze zu dem was ist).

 

Was isst der Bayer?

Dem kann man wohl am besten in München nachforschen. Und, will man der Substanz nahe kommen am besten bei den Klischees.

Das heißt, Brotzeit am Viktualienmarkt, der sich als eine kulinarische Perle erweist.

Wie in konzentrischen Kreisen ist das Angebot so strukturiert, dass man erst zum Schluss ins Innerste vordringt, also zum Biergarten, wo fröhlich unter Kastanien neben dem „Weiß Ferdl Brunnen“ gevöllert wird. In seltener Einigkeit teilen sich die 6 großen Brauereien die Ausschank, im mehrwöchigen Turnus. Rokitansky erwischt die „Spaten“ Wochen – und Weißwurst gibt es ja immer!

 

Am äußeren Rande des Marktes reiht sich Metzger an Metzger (soviel zum „bairischen“ Sprachraum bis Wien!) und Nicht-Vegetarier werden sich dort im siebenten Himmel fühlen – so prall drängen sich Würste und Fleischspezialitäten (Rinds-, Kalbs-, Schweinswangerln) in den Schaufenstern.

 

Die Marktmitte gehört den anderen Lebensmitteln, den Obst & Gemüsehändlern, unter ihnen ein Standler, der nur Pilze und Schwammerln anbietet. Selten so eine Vielfalt gesehen, da kann der Wiener Naschmarkt nur träumen davon.

 

Vielfältig präsentiert sich München auch in seinem Museumsangebot.

Museum Brandhorst

Technik Begeisterte werden ins „Deutsche Museum“ oder ins neue „BMW Museum“ pilgern, Rokitansky bevorzugt eher die schönen Künste und sah sich daher in der „Pinakothek der Moderne“ und im „Museum Brandhorst“ um. Beide zeigen aus ihren Beständen bzw. in Sonderausstellungen wichtige Positionen des 20. und 21. Jahrhunderts. Weit entfernt von der Schwülstigkeit des einstigen Märchenkönigs, der es aber mit „Neuschwanstein“ immerhin bis nach Disneyland geschafft hat!

 

 

 

Rokitansky im Detail

 

Ausstellung

„Götterdämmerung. König Ludwig II. und seine Zeit“

in Herrenchiemsee noch bis 16.10.

zu erreichen über Prien/Chiemsee (von dort 15 Min mit dem Schiff)

 

http://www.hdbg.de/ludwig/

 

 

Viktualienmarkt

Im Zentrum; kaum Parkplätze!

http://www.muenchen.de/Rathaus/39520/index.html

 

Essen

Augustiner Bräu

In der ältesten Brauerei Münchens (1328!) wird eine deftige, aber perfekte Küche geboten. Schweinsbraten, Knödel und Krautsalat wird man kaum wo besser bekommen. Mit einer „Mass“ (oder zwei) spült man das schon runter.

Schweinerei

http://www.augustiner-restaurant.com/index.html

 

 

Museum

Pinakothek der Moderne

(inkl. Designmuseum und Architekturmuseum!)

Barer Str. 40

 

Museum Brandhorst

U.a. 60 Arbeiten Cy Twombly, und über 100 Warhols

Theresienstr. 35a

 

Alle Museen Info

http://www.museen-in-muenchen.de/index.php

 

 

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